Magazin Interview St Anton Filmfestival (Deutsch)

Es ist immer interessant und lohnend, über meine Forschung interviewt zu werden, aber es ist schwierig,  die richtige Balance zu finden, wenn man die Wissenschaft kommuniziert, damit jeder die Hauptbotschaft, aber auch die wichtigen Nuancen unseres gegenwärtigen Verständnisses versteht.

Ich wurde vor kurzem für das Magazin des St. Anton Film Festivals interviewt und mir wurde geraten, mich darauf vorzubereiten über den Gletscherwandel in den Alpen zu sprechen. Ich habe  einiges nachgelesenund  einige Gletscheränderungen in Tirol überprüft, aber am Ende war das Gespräch mehr über den Klimawandel und persönliche Meinungen darüber, wie wir damit umgehen können. Also grundsätzlich bin ich stark von dem abgewichen, was ich vorbereitet hatte. Ich glaube, ich hätte in einigen Punkten den Schwerpunkt lieber  ein bisschen anders  gesetzt. Also dachte ich, ich würde es hier mit einigen Kommentaren (in braun) wiedergeben. Das ist also ein massiver blog!

Lindsey, gibt es den Klimawandel wirklich, oder ist er nur von den Chinesen erfunden?
Es kommt darauf an was man mit „Wandel“ meint. Das Klima unseres Planeten hat sich über die Jahrmillionen fortlaufend geändert. Belegt ist jedoch, dass die Menschen seit der Industriellen Revolution das Klima beeinflussen, und zwar durch die Menge an Energie, die in der Atmosphäre angereichert wird. Wir haben aber wiederum die Möglichkeit, diesen anthropogenen Klimawandel zu beeinflussen.

“Klimawandel” ist für Erdwissenschaftler ein Ausdruck, der schwierig zu handhaben ist. Die Frage dreht sich eigentlich um den vom Menschen verursachten Klimawandel. Welcher real ist. Durch die Veränderung der Zusammensetzung unserer Atmosphäre (durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die Veränderung der Landnutzung usw.) ändern wir die Menge der Sonnenenergie, die sie speichern kann. Das ist einfache Physik und  es ist unbestreitbar, dass menschliche Aktivitäten dies verursachen. Die zusätzliche Energie wird als Wärme in der Luft und im Ozean gespeichert. Was komplizierter zu bestimmen ist,  ist, wie genau sich das gesamte System Planet ändern wird, wenn sich diese Menge an gespeicherter Energie ändert und wo diese Veränderungen zuerst / am stärksten zu spüren sein werden.

Schauen Sie sich diese coole Feature vom NASA Earth Observatory für weitere Informationen und Erklärungen an: https://earthobservatory.nasa.gov/Features/GlobalWarming/page1.php. Klicken Sie im Index oben rechts durch die 6 Seiten, um einen vollständigen Überblick zu erhalten.

 Warum ist der Klimawandel eigentlich etwas Schlechtes?
Das globale Klima hat sich um 1,5°C in den letzten 200 Jahren erwärmt. Es gibt Forschungen, die belegen, dass ein wärmeres Klima vorteilhaft für einige Teile der Welt wäre. Die negativen Auswirkungen eines wärmeren Klimas überwiegen dennoch und sind primär mit dem Anstieg des Meeresspiegels verbunden. Wenn sich die Ozeane erwärmen, dehnen sie sich aus, das ist einfache Physik. Dazu kommt das weltweite Abschmelzen des Landeises.

Weltweit muss man erwarten, dass die Auswirkungen auf die menschlichen Gesellschaften negativ sein werden, da wir unseren aktuellen Lebensstil entwickelt haben in Anpassung an klimatische Bedingungen, die wir  hinter uns lassen. Schauen Sie als Beispiel dafür auf Joy Plot (benannt nach der Joy Division übrigens) GIF (von Dr Gavin Schmidt via www.realclimate.org) um zu sehen, wie sich die monatlichen globalen Temperaturen (GISTEMP Daten) in den letzten Jahrzehnten verändert haben:

Es gibt viele Veränderungen, die sich aus einem wärmeren Klima ergeben, die die Menschen (und ihre Umwelt) negativ beeinflussen können Es ist meine persönliche Meinung, dass der Meeresspiegelanstieg eines der klarsten Probleme ist, denen wir begegnen müssen: Ich kenne keinen Platz auf der Erde,  der sich durch einen steigenden Meerespiegel für den Menschen verbessert.

Es gibt viele Veränderungen, die sich aus einem wärmeren Klima ergeben, die die Menschen (und ihre Umwelt) negativ beeinflussen können Es ist meine persönliche Meinung, dass der Meeresspiegelanstieg eines der klarsten Probleme ist, denen wir begegnen müssen: Ich kenne keinen Platz auf der Erde,  der sich durch einen steigenden Meerespiegel für den Menschen verbessert.

 Und das betrifft wiederum Millionen von Menschen.
Genau, die meisten Menschen leben in Küstenregionen. Mit dem Jahr 2100 erwarten wir einen Meeresspiegelanstieg um einen Meter, und darauf müssen wir uns vorbereiten. Wenn ein massiver Sturm und die Flut zusammentreffen, kann das große Schäden anrichten. Dazu kommen noch Dürren in vielen Regionen der Welt und ein häufigeres Vorkommen von Extremwettereignissen. Der Klimawandel wird die größte geopolitische und humanitäre Herausforderung für unsere Nachfolgegenerationen sein.

Ich habe das schlecht ausgedrückt. Ich hätte ‘viele’ Menschen sagen sollen, aber ich hatte die Zahlen nicht bereit. Tatsächlich leben 250 Millionen Menschen innerhalb von 5m des heutigen Meeresspiegels. Nicht alle werden vom örtlichen Meeresspiegelanstieg betroffen sein, aber einige Gemeinden werden Überflutungen, Erosion und Sturmfluten erleiden aufgrundeines  Meeresspiegelanstieges von 1 m bis zum Ende des Jahrhunderts. Unsere Gesellschaft muss bereit sein, die am stärksten betroffenen Menschen auf eine humanitäre Art umzusiedeln und mit Verlusten in der Küsteninfrastruktur umzugehen.

 Warum ist Klimawandelforschung überhaupt noch notwendig?
Unsere Fähigkeit, zukünftige Umstände vorherzusagen, ist auf Grund der Datenmenge und -Interpretationsmöglichkeiten im letzten Jahrzehnt sehr viel besser geworden. Wir finden immer wieder neue Dinge oder können bestehende Vorhersagen detaillierter angeben. Dennoch glaube ich, das, was wir jetzt im Moment viel dringender brauchen, ist aktives Handeln – von politischer und persönlicher Seite. Wir wissen ja, dass sich unser Klima ändert und wir wissen, dass wir etwas tun müssen.

Ja, manchmal kann es in der Klimaforschung entmutigend sein. Wissenschaftler haben den Entscheidungsträgern über die IPCC-Berichte (Intergovernmental Panel on Climate Change) eine Vielzahl von State-of-the-Art-Informationen übermittelt, aber trotz des bedeutenden Fortschritts durch die Pariser Vereinbarung, könnte politisches Handeln noch zu langsam sein. Manchmal kann es sich so anfühlen (von kudelka cartoons):

Auch bleiben viele Mitglieder der Öffentlichkeit  skeptisch gegenüber der Zuverlässigkeit der Botschaften des IPCC. Dies bleibt die Verantwortung der Wissenschaftler und der sachkundigen Regierungen, die Beweise für die Botschaften aus dem IPCC-Bericht weiterzugeben, so dass weniger Zeit in öffentlichen Diskussionen vergeudet wird, über Dinge, die wir wissen, dass passieren, Stattdessen kann mehr Zeit und Energie aufgewendet werden um machbare Strategien zu entwickeln zur Minimierung des potenziellen Leidens, das durch den vom Menschen verursachten Klimawandel für uns und unseren Planeten verursacht werden kann..

 Können wir den Klimawandel noch stoppen?
Was die Alpen betrifft, werden wir die Gletscher nicht mehr retten können, die werden in ca. 60 Jahren verschwunden sein. Das ist genauso gewiss wir der Meeresspiegelanstieg. Auch wenn wir unseren CO2-Ausstoß sofort stoppen würden, die Auswirkungen des CO2-Ausstoßes des letzten Jahrhunderts müssten wir trotzdem tragen. Gletscher z. B. brauchen 20-30 Jahre, um auf Veränderungen in der Atmosphäre zu reagieren, und viele andere Systeme ebenso.

Schadensbegrenzung ist möglich, und ich denke, wir sollten dafür sorgen! Aber es ist wahr, dass die Zukunft unserer Gletscher hier in den Alpen ein wenig düster ist, wie ich hier zusammengefasst habe.

 Wir alle wissen, dass wir global gesehen unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen reduzieren müssen. Leichter gesagt als getan – was können wir als Einzelpersonen machen?
Wir können ganz simple Sachen machen, wie z.B. auf Papier- und Plastikbecher verzichten, die eigene Wasserflasche immer wieder auffüllen, Carsharing mit Freunden betreiben, darauf Acht geben, dass man wenig Müll produziert, biologische Lebensmittel und wenig Fleisch kauft. Mit diesen Dingen kann jeder von uns sofort beginnen. Das würde vielleicht auch den Weg zu einem achtsamen Miteinander ebnen, das wir definitiv brauchen werden, wenn die Umweltbedingungen für viele Menschen auf diesem Planeten dramatisch schlechter werden.

Ich möchte nicht sagen, dass keine Papierbecher zu verwenden uns retten wird. Mein Punkt hier ist, dass wir, indem wir eine prinzipientreue, persönliche Haltung einnehmen, wir die Menschen um uns beeinflussendas Gleiche zu tun. Auf diese Weise bereiten wir unsere Gesellschaft vor, gemeinsame Gesetzesänderungen vorzunehmen, die notwendig sind, um das Ausmaß, in dem wir unser Klima weiter verändern werden, wirklich zu ändern.. Ich glaube übrigens, dass wir es schaffen können.

Vielen Dank an das St Anton Film Festival für die Chance, mit ihnen zu sprechen. Danke an die Teilnehmer des Films Guilt Trip, die es für wichtig hielten, die Umwelt  zu beachten in der Planung ihres Abenteurs und in der Produktion ihres Filmes. Vielen Dank auch an Manuela Lehner für die Korrektur meines bisher schrecklichen Deutschen.

About lindsey

Environmental scientist. I am glaciologist specialising in glacier-climate interactions to better understand the climate system. The point of this is to understand how glaciated envionments might change in the future - how the glaciers will respond and what the impact on associated water resources and hazard potential will be.
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